Forschungshaus 4 | Gartenhaus


Unser Gartenhaus – Haus ohne Zement

Das Haus im Garten der Theodor-Storm-Straße 16 in München Pasing wurde als Erweiterung der Wohn- und Büroflächen des Vorderhauses konzipiert. Dabei stand im Vordergrund, den schönen Garten weitestgehend erhalten zu können und zusätzlich sogar aufzuwerten, indem neue differenzierte Teilbereiche geschaffen wurden.
Im Hinblick auf einen geringen Versiegelungsgrad wurde das Gebäude dreigeschossig geplant und hat dadurch einen möglichst kleinen Fußabdruck. Grundsätzlich sind drei ähnliche Einheiten übereinander gestapelt, die alle sowohl als Wohnungen als auch als Büroflächen genutzt werden können und auch untereinander schaltbar sind. Ziel war dabei auch, bei Bedarf im Erdgeschoss jederzeit eine barrierefreie Wohnung einrichten zu können.
Das Gebäude wurde – als Weiterentwicklung unseres Projekts „einfach bauen“ – einerseits mit schichtenarmen Konstruktionen errichtet, andererseits wollten wir zeigen, dass es auch jetzt schon möglich ist, ein Gebäude völlig ohne Zement zu errichten. Von der Gründung über die Bäder bis hin zum Kamin. Holz, Lehm und Naturstein sind daher die bestimmenden Materialien.
Der Einsatz von Technik wurde auf das unbedingt erforderliche Maß reduziert, wobei für die Wärmeerzeugung eine Holzpelletsheizung zum Einsatz kommt, die vom Vorderhaus aus das Gebäude mit Wärme versorgt. Eine direkt auf die Dachabdichtung aufgebrachte PV-Anlage soll zumindest einen Teil des Strombedarfs des Areals decken.

Forschungshaus 4 – Holz und Lehmstein

Die Frage, wie wir die Ökobilanz unserer Häuser verbessern können, hat uns zu einer zweiten Serie von Forschungshäusern mit deutlicher Reduzierung des Einsatzes von Zement und Beton geführt. Die erforderliche Speichermasse in den Gebäuden wird durch das Material Lehm zur Verfügung gestellt.

Das 2023 realisierte Forschungshaus 4 wurde als Kombination von tragenden Innenwänden aus Lehmsteinen und tragenden Außenwänden und Decken in Brettstapelbauweise ausgeführt. Als Besonderheit wurden die tragenden Innenwände mit einem Recyclingziegel ausgeführt.
Die Tragstruktur ist bei allen drei neuen Forschungshäusern gleich. Eine massive Mittelwand und die Treppenhauswände bestehen aus massiven Lehmbaustoffen, sind tragende Konstruktion, generieren die erforderliche Speichermasse und tragen aufgrund ihrer Massivität auch zum Schallschutz zwischen den Wohnungen bzw. zwischen Treppenhaus und Wohnung bei. Die Gebäude sind erneut dreigeschossig, die Dächer als Kaltdächer konzipiert. Die Wohnungen verfügen über großzügig dimensionierte Balkone, Loggien und Dachterrassen. Die Grundrisse der Zwei- und Dreizimmerwohnungen sind nutzungsneutral angelegt. Es wurde verstärkt Wert auf ökologisch verträgliche Baustoffe gelegt, so dass neben den massiven Lehmbaustoffen auch leichte Trennwände aus Strohbauplatten und mit Lehmbauplatten beplankte Holzkonstruktionen zum Einsatz kommen. Das Material Lehm verlangt eine sorgfältige Auseinandersetzung mit der Thematik, dass das geschaffene Bauteil sich bei Kontakt mit Wasser wieder zurück in das Ursprungsmaterial verwandeln kann. Alle Details wurden sehr sorgfältig entwickelt und auch auf der Baustelle ist größte Sorgfalt geboten, um eine Durchfeuchtung zu verhindern. Andererseits ist das auch einer der großen Vorteile des Materials Lehm: nur wenige Baustoffe lassen sich derart unkompliziert wieder in den Kreislauf der Natur zurückführen, wie der Lehm…

Florian Nagler, geboren 1967, absolvierte zunächst eine Zimmermannslehre und studierte anschließend Architektur an der Universität Kaiserslautern. Nach einer Tätigkeit im Büro Mahler Günster Fuchs machte er sich 1996 als freier Architekt selbstständig und führt seit 2001 gemeinsam mit Barbara Nagler ein eigenes Büro. 2010 wurde er zum Professor für Entwerfen und Konstruieren an der TU München berufen.