Museum Bezau


Schon seit über 100 Jahren hat das Heimatmuseum in Bezau seinen Sitz in einem typischen Bregenzerwaldhaus mit schindelverkleideten Fassaden und breit gelagertem Giebel. Der quadratische Kern des Gebäudes entstand bereits im 16. Jahrhundert und erfuhr in der Folgezeit mehrere Erweiterungen und Aufstockungen. Nun ergänzen Innauer Matt das Haus um einen dreigeschossigen Anbau, der die Grundfläche des ehemaligen Stalls einnimmt und so die ursprüngliche Proportion des Gebäudes wiederherstellt.

​Im Inneren entsteht ein kunstvoll inszeniertes Wechselspiel aus dunklen und hellen Räumen mit hohen und niedrigen Decken, in die Licht abwechselnd von oben und von der Seite einfällt. Die vergleichsweise dunklen Stuben und die Flurküche des Altbaus bleiben im Originalzustand erhalten. Im Anbau befinden sich nun Kassenbereich, zusätzliche Ausstellungsflächen sowie WC- und Lagerräume.

​Auch hier besitzt der zentrale Bereich relativ niedrige Decken, erhält jedoch dank weiß gekalkter Fichtenholzdecken und -wände einen völlig anderen Charakter als der Altbau. In zwei seitlichen, vertikalen Raumaufweitungen fällt Licht von oben durch Dachfenster ein und beleuchtet – durch Holzroste blendfrei gefiltert – auch die Ausstellung. Hoch liegende, motorisch gesteuerte Dachfenster sind zudem essenziell für die Durchlüftung und Kühlung der Ausstellungsräume. Im obersten Geschoss verbinden zwei hohe, nur von den Giebelseiten belichtete Ausstellungsräume Alt und Neu zu einem gemeinsamen Rundgang.

​Die gebürtigen Vorarlberger Markus Innauer und Sven Matt studierten Architektur in Innsbruck und Wien und gründeten 2012 ihr gemeinsames Büro in Bezau im Bregenzerwald. Sie interpretieren jede Entwurfsaufgabe in enger Beziehung zum Ort, zur Landschaft und zu den Menschen, die dort leben. Zentrales Motiv bildet stets die Suche nach einer Baukunst, die durch unaufgeregte Alltäglichkeit vertraute Orte mit Bestand schafft.

​Anfangs lag der Schwerpunkt des Büros vor allem auf Einfamilienhäusern. Mittlerweile umfasst das Portfolio auch Schul- und Kindergartenbauten, Büros, Hotels und Museen. Ihr jüngster Wettbewerbserfolg ist die Erweiterung des Deutschen Technikmuseums in Berlin, die bis 2029 fertiggestellt werden soll.

​„Zwischen Bestand und Erweiterung des Museums sind abwechslungsreiche Lichtstimmungen erlebbar, die mit der Nutzung im Einklang stehen. Im spannungsreichen Dialog aus Alt und Neu entsteht so ein sinnstiftendes Ganzes.“

Markus Innauer, *1980, studierte an der Angewandten Wien (Diplom 2009 bei Zaha Hadid) und UCLA. Nach Mitarbeit bei Oskar Leo Kaufmann gründete er gemeinsam mit Sven Matt 2012 Innauer Matt Architekten. Gestaltungsbeiräte Schruns (2015) und Landshut (2025), Gastprofessor IAAC Hamburg (2020), Gastdozent TH Rosenheim (2021).

Christina Brunner