Samstag, 14. März | 18.45

Reichshofstadion | Bildungscampus Marianum


Erweiterung & Umbau Reichshofstadion Lustenau
Ein Stadion aus dem Ort entwickelt, das Gemeinschaft atmet, Identität zeigt und Nachhaltigkeit lebt.

Weiterbauen am vertrauten Standort an der Schützengartenstraße – so lautete das ambitionierte Ziel. Anderorts würde man auf die Grüne Wiese ausweichen. Nicht so in Lustenau: Hier fährt man mit dem Rad zum Fußballfest. Eine bewusste Entscheidung für den Standort und ein urbanes Stadion, das aus dem Ort heraus entwickelt ist, Gemeinschaft atmet, Identität zeigt und Nachhaltigkeit lebt.

Im Rheintal, an der Grenze zur Schweiz und direkt am Rhein gelegen, prägten der Wunsch nach einem neuen Stadion, vorwiegend aus Holz, sowie der Erhalt und die Einbindung der Westtribüne die programmatischen und kontextuellen Prämissen des Projekts. Es galt, ein Bauwerk zu schaffen, das nicht durch einen übergroßen Maßstab – der sein Umfeld stark kompromittieren würde – zur Landmarke wird, sondern durch vier vertikale, rund 40 Meter hohe Flutlichtpylone, die einen Raum im Maßstab des Rheintals markieren.

Die horizontalen, hölzernen Tribünen wahren die Maßstäblichkeit des Ortes und erfüllen die Sehnsucht der Lustenauer nach einem »Wohnzimmer« für ihren Fußball – einem Ort ihrer Gemeinschaft, in der Maßstäblichkeit ihrer Stadt und nahezu vollständig in Holz gebaut. Die Schwere des Betons und die Leichtigkeit des Holzbaus, verbunden mit der Ausreizung ihrer physischen Eigenschaften, werden zu einem großen Ganzen und wirken gerade durch ihre Gegensätzlichkeit identitätsstiftend und adressbildend. Ein Ort, der nicht nur Sport ermöglicht, sondern auch Gemeinschaft, urbane Qualität und Regionalbezug sichtbar macht.

Das Kassagebäude passierend strömen die Fans von Norden über das vorgelagerte Austria-Dorf – eine lebendige Agora für den Fußball – ins Stadion. Neben einem Geviert aus hochstämmigen Gleditschien, das Raum für die dritte Halbzeit und das soziale Treiben vor und nach dem Spiel bietet, bildet das Austria-Dorf den Vorhof des eigentlichen Stadions. Von hier aus führen Treppen und Erschließungsgänge in das hölzerne Stadioninnere, das rund 5.000 Zuschauer fasst. Das Spielfeld wird dreiseitig durch die Tribünenneubauten dicht umschlossen und bildet zusammen mit der bestehenden Westtribüne ein geschlossenes Oval.

Die städtebauliche Einbettung berücksichtigt die bestehende Nachbarschaft, die gewachsene Landschaft und die urbane Struktur der Marktgemeinde. Ein transluzentes Kleid reduziert Lichtemissionen und schützt die angrenzenden Wohngebiete, ohne sich hermetisch von ihnen abzugrenzen. Die Transluzenz der Fassade schafft einen leisen Dialog zwischen dem Stadion und seiner Nachbarschaft.

Mobilität und Nachhaltigkeit sind zentrale Bestandteile des Entwurfs. Statt neuer Parkflächen werden die ungenutzten Stellplätze umliegender Gewerbegebiete genutzt, Besucher:innen über ein Shuttle-System angebunden. So wird der Parkdruck im Quartier reduziert und eine stadtverträgliche Verkehrsführung sichergestellt. Zusätzlich stehen rund 800 Fahrradstellplätze zur Verfügung, die aktive Mobilität fördern und die umweltfreundliche Einbettung des Stadions in den urbanen Kontext unterstützen.
Ein Ort für Fußball, ein Ort für die Menschen von Lustenau.

Eine Entwurfszusammenarbeit mit Walter Angonese.

Bildungscampus Marianum
Weiterschreiben des Bestands schafft lebendigen, inspirierenden Ort.
Ein atmosphärisch dichtes und zugleich animierendes Gefäß.

Das Projekt Bildungscampus Marianum setzt das bestehende Ensemble des Knabenkonvikts in Bregenz gezielt fort, ohne dessen charakteristische Struktur zu verändern. Die präzise Neusetzung eines sechsgruppigen Kindergartens ergänzt den Bestand sinnvoll, während das historische Knabenkonvikt unverändert bestehen bleibt und weiterhin den markanten Bezugspunkt des Ensembles bildet. Wesentlich ist, dass das fein austarierte Ensemble aus Längsriegeln und polygonaler Kapelle von Werner Pfeifer (1960er-Jahre) ablesbar bleibt, um durch einfache, klar geformte Neubauten erweitert werden zu können. Der Neubau reagiert sensibel auf den Kontext: Als präzise gesetzter »Passstein« fasst er den Campus räumlich, ergänzt die Großform nach Süden und schafft einen zentralen Campushof – eine neue Mitte des Bildungscampus, Auftakt aller Wegführungen und verbindendes Element zwischen den unterschiedlichen Identitäten des Marianums. Vielfältige Außenraumbezüge und eine durchlässige Figur erzeugen ein feines Netzwerk aus Wegen, Plätzen und Blicken. Der Garten geht fließend in den angrenzenden Wald über und vermittelt Weite und Offenheit. Materialität und Konstruktion greifen die Qualitäten des Bestands auf: Die handwerklich feintexturierte Backsteinfassade verleiht Wärme und Maßstäblichkeit, vermittelt zwischen Alt und Neu und führt den Massivbaugedanken fort. Robuste, ökologische Materialien gewährleisten Langlebigkeit und Nachhaltigkeit. Die innere Organisation folgt einem klaren Verband: Hofseitig verläuft eine »interne Straße« entlang der großen Fenster als gemeinschaftlicher Aufenthaltsort, während vorgelagerte Loggien – ähnlich einem Bregenzerwälder »Schopf« – sanfte Übergangsbereiche zum Spielgarten bilden. Der Innenraum überrascht mit einer komponierten Abfolge offener und geschlossener Räume aus Klinker, Eichenholz, Sichtbeton und feinen Stoffen. Große Öffnungen an den Längsseiten erzeugen eine elegante Spannung zwischen Offenheit und Geschlossenheit. Das Ergebnis ist eine vielfältige, unverwechselbare und wohnliche Welt für Kinder: haptisch hochwertige, ruhige Räume, die Kreativität und Eigenständigkeit fördern. Keine überbunten oder vorgefertigten Disneywelten, sondern ein stimmiger Rahmen, der Geborgenheit vermittelt und gleichzeitig Anregung und Entfaltung erlaubt. So entstand ein atmosphärisch dichtes sowie animierendes Gefäß, welches das Potenzial des Ortes mit den Anforderungen an eine zeitgemäße Kinderpädagogik sinnreich zu verbinden vermag.

Matthias Kastl, geboren in Innsbruck, absolvierte sein Architekturstudium an der Technischen Universität Wien, welches er 2014 mit Auszeichnung abgeschlossen hat. Während dieser Zeit wirkte er als Tutor am Department für Gestaltungslehre des Instituts für Architektur und Entwerfen und vertiefte seine Kenntnisse durch prägende Erfahrungen in mehreren Wiener Architekturbüros, darunter Wettbewerbsmitarbeit bei Jabornegg & Pálffy Architekten.
Seit 2016 ist Matthias Kastl bei Bernardo Bader Architekten tätig, wo er 2018 die Leitung der Entwurfsabteilung übernahm. Neben seiner Mitwirkung an zahlreichen Wettbewerben verantwortete er maßgeblich die Projektleitung für das Reichshofstadion in Lustenau. Seit 2023 ist er Partner im Büro Bernardo Bader Architekten. Zu den aktuellen Projekten zählen unter anderem die Fuß- und Veloverkehrsbrücke Diepoldsau–Widnau sowie die Sporthalle Häggenschwil.