Samstag, 14. März | 13.45

Berresgasse


Die Entwicklung einer einfachen, nutzungsneutralen Struktur für den Wohnungsbau, die ARTEC Architekten und WUP architektur seit 2012 in verschiedenen Projekten verfolgen, bildet die konzeptuelle Grundlage für den Wohnbau in der Berresgasse.
Der städtebauliche Entwurf auf der Basis von fünf längslaufenden Schichten für die Baufelder mit dazwischen angeordneten Erschließungszonen oder privaten Freiräumen interpretiert die Vorgaben der Flächenwidmung mit einer Abfolge von Turmvolumina und niedrigeren Baukörpern. Diese Verteilung von Höhendifferenzierung und Grünflächen erfolgt streng rational in Hinblick auf eine optimale Positionierung der Hochbauten. Der Anteil der Freiräume (Loggien und Balkone, Laubengänge und Dachterrassen) ist über die gesamte Gebäudestruktur gleichmäßig und durchgehend verteilt.
Der Übergang zwischen Innen und Außen entlang der transparenten Längsfassaden mit hervorragender Belichtung wird fließend. Die einzelnen Häuser verfügen über großzügige, teils begrünte Dachterrassen mit Gemeinschaftsräumen oder Waschküchen. Der Sockelbereich der Gebäude beinhaltet die öffentlichen Funktionen sowie Wohnformen auf zwei Ebenen mit einer Raumhöhe von 3 Meter im Erdgeschoß (wo eine einfache Gewerbenutzung ermöglicht werden soll). Jede Wohn- und Arbeitseinheit hat Zugang zu einer für den sozialen Wohnungsbau außergewöhnlich großen privaten Freifläche.
Die Gebäudestruktur basiert auf einer Bauweise von Fertigteilbetonstützen- und Ortbetondecken als offene Plattformbauweise mit nur wenigen tragenden Wänden in erster Linie im Bereich der Erschließungskerne und ist Grundlage einer dauerhaft hybrid (um)nutzbaren Gebäudestruktur. Eine Anzahl der Einheiten weist eine lichte Raumhöhe von deutlich mehr als 2,5 Meter auf. Der Bau kann unterschiedliche Nutzungen aufnehmen, bis hin zu maximal großen, offenen Raumstrukturen innerhalb der thermischen Hülle.
Im Erdgeschoß befindet sich auf Stiege 6 einer der neun bauplatzübergreifenden Gemeinschaftsräume. Zusätzlich gibt es zwei betreute Wohngemeinschaften, Geschäftsflächen und Co-Working-Spaces, die sowohl fest als auch flexibel angemietet werden können. Ein mobility-point befindet sich ebenfalls auf dem Bauplatz. Die Energieversorgung mit Fernwärme wird durch eine 20kWp-Photovoltaikanlage ergänzt.

Bettina Götz und Richard Manahl, beide geboren in Bludenz, Architekturstudium in Graz. Gemeinsames Büro ARTEC Architekten in Wien seit 1985. Preis der Stadt Wien, 2005. Wiener Wohnbaupreis 2019. Hans-Hollein-Kunstpreis für Architektur, 2022.
Bettina Götz ist seit 2006 Professorin für Entwerfen und Baukonstruktion an der UDK in Berlin und war 2008 Kommissärin des österreichischen Beitrags der 11. Architekturbiennale in Venedig. Umfangreiche Beirats- und Kommissionstätigkeit im In- und Ausland.

Andreas Gabriel, geboren 1974 in Dornbirn, ist gemeinsam mit Bernhard Weinberger geschäftsführender Gesellschafter von WUP architektur. Er studierte von 1992 bis 1999 Architektur an der Technischen Universität Wien und erhielt 2007 die Befugnis als Ziviltechniker. Im Jahr 2014 gründete er gemeinsam mit Helmut Wimmer und Bernhard Weinberger die wup ZT GmbH.