Samstag, 14. März | 16.45

Neue Ortsmitte »MittenIm«


Niederwerrn ist eine von 17 Kommunen zwischen 800 und 7.000 EW, die wir als Stadtplanungs- und Architekturbüro in der städtebaulichen Entwicklung über Jahre hinweg beraten. Wir begleiten die Kommunen ab der Leistungsphase 0 mitunter bis hin zur Realisierung von Maßnahmen aus den vorangegangenen erarbeiteten Entwicklungskonzepten.

Das Projekt MittenIm steht exemplarisch für eine dieser mit der Gemeinde und den Bürger:innen erarbeiteten Maßnahmen. Es ist hierbei lediglich einer von vielen Bausteinen des über viele Jahre zielgerichteten Entwicklungsprozesses mit dem Ziel einer nachhaltigen Ortsentwicklung.

Niederwerrn ist, wie viele Gemeinden im ländlichen Raum, vom Leerstand im einstigen Ortszentrum geprägt. Der Ort wuchs kontinuierlich in Richtung der Industriestadt Schweinfurt und weg vom eigenen Altort. Im Rahmen des Städtebauförderungsprogramm Sozialer Zusammenhalt erarbeiteten die Gemeinde und das Büro im Jahr 2014 ein Integriertes Städtebauliches Entwicklungskonzept (ISEK). Mit dem Ziel einer sozialen Ortsentwicklung wurde nach eingehender Untersuchung des Ortes in partizipativen Prozessen ein Maßnahmenkatalog zur Entwicklung der Kommune erarbeitet.
So beispielsweise die städtebauliche Neuordnung an der Nahtstelle zwischen Altort und Siedlung mit Schaffung einer »Neuen Mitte« als verbindendes Element.
Unter Begleitung des Büros Schlicht Lamprecht Kern wurden in partizipativen Prozessen die Bedarfe der Bürger:innen konkretisiert und daraufhin das Nutzungskonzept erarbeitet. Geduld, Ausdauer und persönliches Engagement der Bürgermeisterin bei der Grundstückspolitik führten sechs Jahre nach dem ISEK schließlich zum Projektstart.
Durch die Transformation zweier ortsbildprägender Bestandgebäude und das behutsame Einfügen zweier Neubauten entstanden Begegnungsorte, Café, Bürgersaal, verschiedene Dorfplätze, ein »Theatrum« im Außenbereich für die Bibliothek und ein Ladenmuseum.
Niederwerrn setzt mit dem neunen Ensemble auch ein Zeichen für den Bestand, die Kreislaufwirtschaft, Ressourcen-Schonung und Energieeffizienz: Neben dem Massivholzbau bestehen alle Betonbauteile bis hin zur Fassade aus dem Recyclingbeton einer nahegelegenen Autobahnbrücke. Baumaterialien wie Schalbretter und Steine aus Rückbauten wurden wiederverwendet, die Energie für das gesamte Ensemble wird in der Energiescheune produziert und das Regenwasser umliegender Dächer für die Bewässerung der Grünflächen gesammelt.
Mit der nachhaltigen Vision eines sich wandelnden Ortes ist im intensiven Dialog mit der Bevölkerung eine lebendige soziale Mitte entstanden, die sich wie selbstverständlich in die gewachsenen Strukturen einfügt.
Am Ende ist das erhoffte eingetreten. Die neue Ortsmitte lebt!

Stefan Schlicht, geboren in Bamberg, Architekt BDA, sammelte nach dem Architekturstudium an der THWS Würzburg und der Akademie der Bildenden Künste München mehrere Jahre Berufserfahrung bevor er 2011 das Büro Schlicht Lamprecht Architekten mitgründete. Seit 2016 liegt sein Schwerpunkt zusätzlich auf der Stadtplanung, seit 2022 führt er, zusammen mit seinen beiden Büropartnern, das Büro Schlicht Lamprecht Kern Architektur Stadtplanung. Neben dem Schwerpunkt der Ortsentwicklung im ländlichen Raum engagiert er sich in verschiedenen Baukulturinitiativen, ist Mitglied im Landesvorstand des BDA Bayern, Vorsitzender des BDA Unterfranken, Mitglied der Vertreterversammlung der Bayerischen Architektenkammer sowie als Preisrichter und Lehrbeauftragter tätig.