Samstag, 15. März | 19.15

Ilirija Sportcity


Innerhalb einer Architekt:innengeneration zwischen 1950 und 2050 wird sich die Weltbevölkerung verfünffacht und die Zahl der Stadtbewohner:innen verzehnfacht haben. Die Stadt entwickelt sich zum vorherrschenden Lebensraum und wird zum Ort, an dem sich die Überlebensfrage der Menschheit entscheidet.
Wenn wir den Respekt vor der Natur als Grundlage unseres Handelns anerkennen, werden wir unsere Städte umdenken müssen. Es gibt in Europa vielversprechende Ansätze auf deren Basis das Thema Stadt zur zentralen Aufgabe des 21. Jahrhunderts wird.
Architekt:innen und Stadtplanung tragen ihre demokratische Verantwortung, die Stadt im Gleichgewicht von Natur, Technik und Gemeinwohl weiterzudenken. Unser Ziel ist nicht mehr Wohlstand im herkömmlichen Sinn, sondern das Überleben durch und in der Stadt – klimagerecht, sozial tragfähig, räumlich intelligent.
In diesem Zusammenhang können Sport- und Freizeitinfrastrukturen einen wesentlichen Beitrag zur urbanen Nachhaltigkeit leisten. Keine isolierten Sondernutzungen am Stadtrand, sondern Orte im Stadtzentrum mit kurzen Wegen, intensiver Urbanität und vielfältiger öffentlicher Begegnung. Zentral gelegene Sportstätten fördern Bewegung, soziale Vitalität und städtische Dichte. Orte, die sowohl funktional als auch atmosphärisch wirken.
Die Sportzitadelle ILIRIJA in Ljubljana zeigt exemplarisch, wie eine Restfläche im Stadtzentrum zwischen Park, Bahntrasse und Hauptverkehrsachsen zu einem modernen und vielschichtigen Ort für Sport, Kultur und Öffentlichkeit transformiert werden kann. Das Projekt reflektiert eine 25-jährige Auseinandersetzung mit den Themen Verdichtung, Verbindung, Öffnung und Aktivierung städtischer Räume.
Ein öffentlicher Platz verknüpft Stadtkern und Park, Glasfassaden und Blickachsen führen zu Transparenz, das große Dach fasst die unterschiedlichen Nutzungen zu einer klaren, ikonischen Identität zusammen.
Die architektonische Haltung verzichtet auf einen skulpturalen Charakter oder stilistische Gesten: Die Form entsteht aus den Grenzen des Ortes, den städtebaulichen Vorgaben und den funktionalen Erfordernissen. So versteht sich Ilirija als Beitrag zu einer europäischen Urbanität, die Sport, Raum und Nachhaltigkeit in ein dichtes Ganzes führt.

Peter Lorenz, sozialisiert in Innsbruck, Architekturstudium, Skisport, Weltreisen, Auslandsaufenthalte. Ateliergründung Innsbruck 1980, Wien 1991, Triest 1999. Über 510 Werke, rund ein Drittel davon realisiert.
Lorenz bevorzugt Projekte aller Art und Größe und verzichtet bewusst auf stilistische Festlegungen – ethische Prinzipien wie Menschenrechte, Posthumanismus, Konstruktivismus oder die Gaia-Theorie prägen seine Haltung. Er sieht die Architekt:innen in der demokratischen Verantwortung für die Zukunft unserer Städte.