Schulzentrum Bürmoos: Metamorphose im Moor
Das Schulzentrum Bürmoos, bestehend aus Hauptschule und Volksschule, wurde Anfang der 1970er-Jahre als klassischer H-Typ errichtet. Zwei schlanke, zweigeschossige Baukörper mit einseitiger Erschließung waren durch einen niedrigen, eingeschossigen Mittelteil miteinander verbunden. Anfang der 2000er-Jahre wurde dieser Mittelteil in Holzkonstruktion aufgestockt. Mit Beginn der Planungsleistungen zeigte sich jedoch rasch, dass der Bestand in vielfacher Hinsicht nicht mehr den Anforderungen entsprach und eine umfassende Gesamtsanierung sinnvoll war. Sowohl die unattraktive städtebauliche Präsenz im Ortszentrum als auch ein pädagogisches Konzept, das im Wesentlichen nur für den klassischen Frontalunterricht geeignet war, sowie die unzureichende thermische Situation führten zur Entscheidung, das Bildungszentrum in weiten Teilen neu zu denken.
Der bauphysikalisch mangelhafte Mittelteil wurde abgebrochen und durch einen neuen, zweigeschossigen Baukörper ersetzt, der als großzügige Lernlandschaft mit vielfältigen Nutzungsmöglichkeiten das gemeinsame Zentrum der beiden Schulen bildet. Der neue Mittelteil wurde in Holzhybridbauweise als steife Schachtelkonstruktion ausgeführt, da der torfige Untergrund nicht tragfähig ist und aufwändige Pfahlgründungen erforderlich machte. In den schlanken Bestandsbaukörpern wurden gezielte Aufweitungen geschaffen, um offene Lernformen zu ermöglichen. Gleichzeitig wurde der Bestand umfassend saniert: Neue Holz-Alu-Fenster ersetzten die bestehenden Kunststofffenster, die Unterrichtsräume erhielten neue Fußbodenbeläge, die Erschließung wurde barrierefrei gestaltet, Brandschutzmaßnahmen umgesetzt und eine thermische Sanierung durchgeführt.
Durch das selbstbewusste architektonische Erscheinungsbild erhält die Schule nun eine neue und prägnante Präsenz im Ort. Die Bestandsbauten wurden mit gezackten, braunschwarzen Aluminiumplatten verkleidet, deren Farbigkeit und Proportion bewusst an die Industriegeschichte von Bürmoos erinnern, in der Torf für die Glasproduktion gewonnen wurde. Die Farbtöne der neuen Fassadenverkleidung nehmen Bezug auf die historischen Torfziegel des Ortes. Das neue Bildungszentrum bildet nun ein adäquates städtebauliches Gegenüber zum neu errichteten Gemeindeamt und unterstreicht darüber hinaus den hohen Stellenwert, den die Gemeinde der Bildungseinrichtung beimisst.
Karl Thalmeier studierte Architektur in Innsbruck bei Prof. O. Barth und Prof. J. Lackner. Seit 1991 führt er ein eigenes Architekturbüro in Hallein. Von 2010 bis 2014 war er Vorstandsvorsitzender der Initiative Architektur, seit 2024 ist er Vorsitzender der ZV Salzburg.
Christian Wirth, geb. 1981 in Wien. HTL Mechatronik/Präzisionstechnik in Mödling. Langjähriger Mitarbeiter bei ALUKÖNIGSTAHL GmbH. 2017 bis 2021 bei PREFA Aluminiumprodukte GmbH als Objektberater für den Raum Wien, Burgenland, Niederösterreich-Süd tätig. Seit 2022 Leitung Objektberatung Österreich.
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