Warum wir Büros nachhaltiger machen müssen


What’s in the Box?
Warum wir Büros nachhaltiger machen müssen – und das nicht nur beim Bauen. Ein dialogischer Ausflug zwischen Zukunftspotential und dem Widerspruch in unserem Handeln.


Nachhaltigkeit in der Architektur folgt oft einem vertrauten Muster: neu bauen, neu rechnen, neu zertifizieren. Möglichst sichtbar, möglichst messbar. Dass unsere Städte längst gebaut sind, wird dabei gerne übersehen. Die Herausforderung der Zukunft ist nicht mehr das Volumen, sondern die Nutzung. Und genau hier werden die Knackpunkte oft übersehen.
Und genau hier treffen oft Welten aufeinander.
Der Office Report 2025, die größte Studie zu Büroflächen in Europa legt offen, was viele Organisationen lieber ignorieren: Bürofläche wird zu wenig genutzt und zu viel verschwendet. Diese Ineffizienz ist kein Randphänomen, sie ist in allen Bereichen sichtbar. Und sie endet nicht an der Bürotür, sondern setzt sich im durch die ganze Branche fort – in der Planung, der Einrichtung und in starren Entscheidungslogiken.

Bei Büromöbeln wird dieser Widerspruch besonders sichtbar. Maximale Auswahl als Qualität und permanente Verfügbarkeit ist für Hersteller Pflicht und wird als Fortschritt verkauft. In der Realität bedeutet dies überbordende Komplexität und Überproduktion. Wir optimieren die „Nachhaltigkeit“ einzelner Produkte, während unsere verschwenderischen Gewohnheiten unangetastet bleiben.

Die entscheidende Frage ist daher nicht nur, welches Möbel das richtige ist. Sondern: Warum halten wir unzählige Optionen bereit, die niemand braucht? Und warum glauben wir, dass mehr Auswahl zu besseren Ergebnissen führt? Vielleicht ist genau das Gegenteil der Fall.

Wir brauchen einen radikalen Perspektivwechsel: weg vom Einzelprodukt, hin zu modularen, gestalterisch konsistenten Funktionsgruppen. Boxen, die Planung vereinfachen, Entscheidungen beschleunigen und Ressourcen sparen – ohne die architektonische Qualität zu opfern. Ein Ansatz, der weniger verspricht, aber mehr einlöst.

Dieser Vortrag ist ein Dialog zwischen Theorie und Praxis, zwischen Planungskultur und Betrieb, zwischen Anspruch und Alltag. Er zeigt, warum Suffizienz kein moralischer Appell ist, sondern ein strategischer Vorteil – und warum die nachhaltigste Entscheidung oft diejenige ist, die man gar nicht mehr treffen muss.

Oliver Bertram, Architekt mit Schwerpunkt Büroumgebungen und Maximilian Schubert, CEO des größten österreichischen Büromöbelherstellers Neudörfler spannen den Dialog auf - über Potentiale, Zielkonflikte, Missverständnisse und dem, was sie gemeinsam als die Lösung der Zukunft sehen.

Ein Statement über die blinden Flecken der Bauwende, den „Speisekarten-Irrsinn“ der Moderne und die Erkenntnis, dass Reibung manchmal der einzige Weg zu echter Klarheit ist.

OB, MS

Oliver Bertram ist Architekt und zählt zu den führenden Experten für moderne Arbeitswelten, Bürogebäude und New-Work-Konzepte. Seit über 15 Jahren gestaltet, transformiert und realisiert er Projekte im Bereich Büroimmobilien unterschiedlichster Größenordnung.

Maximilian Schubert ist Managing Director bei neudoerfler und Experte für die Transformation von Unternehmen und Arbeitswelten. Mit Wirtschaft-, Leadership- und Organisationswissen verbindet er Strategie, Kultur und Raum zu klaren, zukunftsfähigen Lösungen.