Ereignishaus an der Schanze
52 Wohneinheiten, Gemeinschaftsterrasse, Geschäftslokale und eine Grätzlkantine.
„Donaufelder Freundschaften“ übersetzt die beiden im Masterplan vorgesehenen städtebaulichen Typologien – das Urban Hybrid „Ereignishaus“ und den New Urban Block der „Gartenhäuser“ – in ein räumlich wie programmatisch verwobenes Ensemble aus fünf Gebäuden. Trotz unterschiedlicher Bebauungsstrukturen folgen die Bauplätze K und J gemeinsamen Prinzipien: Wirtschaftlichkeit, Flexibilität und soziale Resilienz.
Im Zentrum des Quartiers steht das Ereignishaus, ein robuster Hybridbau, der kooperatives Arbeiten, leistbares Wohnen und nachbarschaftliche Produktion bündelt. Dieser Gebäudetyp lässt sich weder von programmatischen Erwartungen beeindrucken noch verspürt er den Drang, „Ikone“ zu sein. Das Haus steht einfach da – und gerade darin liegt seine still provozierende Qualität. In einem Quartier, das Dichte, Nutzungsmischung und soziale Diversität zuverlässig erzeugt, verfolgt das Ereignishaus eine andere Form von Ambition: eine Struktur, die offen genug bleibt, um das Ungeplante nicht als Störung, sondern als Betriebsmodus zu begreifen.
Die systematische Struktur mit 2,80 m lichter Raumhöhe ermöglicht langfristig wandelbare Nutzungen. Sein programmierter Kern – Grätzlkantine, Coworking und ergänzende Sonderwohnformen – bildet einen sozialen Ankerpunkt für die Hausbewohner:innen und die umliegende Nachbarschaft. Ein begehbarer Lichthof verbindet die Arbeitsbereiche mit der oberen Terrasse, erweitert die Außenräume des Coworkings und organisiert zusätzliche Flächen rund um diesen offenen Kern. Ein darunterliegender Meetingraum komplettiert das Angebot. Gegenüber, am Bauplatz K, stärkt ein Fahrrad-Werkstattraum baufeldübergreifende Mobilitätsangebote.
Im Erdgeschoss bündeln flexibel teilbare Gewerbe- und Arbeitsräume das Angebot, während in den oberen Geschossen kompakte Wohnungen untergebracht sind. Entlang der Dückegasse verzahnen sich Wohnen und Arbeiten dadurch über drei Ebenen. Der Campanile setzt an der Kurve der Dückegasse einen markanten Akzent: Eine nahezu fensterlose Fassade fungiert als Träger einer künstlerischen Intervention von Siggi Hofer und macht den Hybridbau zum identitätsstiftenden Stadtzeichen. Im Inneren liegen zwei Atelierwohnungen mit großzügiger Raumhöhe und Potenzial zum Selbstausbau.
Effiziente Erschließungssysteme mit Mittelgang, druckbelüftetem Treppenhaus und Laubengangerschließung der Maisonetten im Sockelbau sichern Orientierung, Kompaktheit und hohe Nutzbarkeit.
So entsteht ein Gebäude, das weder laut noch bescheiden wirkt, sondern präzise angemessen bleibt. Es legt die kreativen Dissonanzen des urbanen Lebens räumlich frei, statt sie zu dekorieren – und erfüllt damit, was gute Architektur seit jeher auszeichnet: Sie ermöglicht, ohne sich wichtig zu machen.
Kooperationspartner: TransCity (Baufeld K)
Peter Zoderer ist Gründer und Partner bei feld72. Die Arbeit von feld72 bewegt sich an der Schnittstelle von Architektur, angewandtem Urbanismus und Kunst.
Barbara Fritsch-Raffelsberger ist Prokuristin der Familienwohnbau und leitet die Abteilung für Projektentwicklung.
Weiters ist sie Geschäftsführerin der WIEBE Wiener Bauträger und Entwicklungsgmbh.
https://feld72.at/
www.familienwohnbau.at