Samstag, 14. März | 15.45

Wohnbau und Rathaus Hohenems


Hohenems sah sich trotz Bevölkerungswachstums mit städtebaulichen Herausforderungen konfrontiert. Eine geringe Zentrumsdichte, Leerstände und die kleinteilige mittelalterliche Struktur erschwerten die Weiterentwicklung der Innenstadt.
Die Revitalisierung wurde als langfristiger Prozess verstanden, bei dem schrittweise Maßnahmen zur Aufwertung des öffentlichen Raums und bestehender Strukturen umgesetzt wurden. Der Vortrag skizziert zunächst die stadtplanerischen Strategien und das Kooperative Verfahren, die den Transformationsprozess getragen haben, und kontextualisiert das Rathausquartier mit Wohn- und Geschäftsbauten sowie den Neubau des Rathauses.
HK Architekten wurden mit dem Entwurf und der Umsetzung der im Hof situierten Wohngebäude betraut. Die Form sowie die Volumetrie der zwei Gebäude entstand im kooperativen Verfahren und beinhalten 35 Mietwohnungen als großzügig geschnittene Garten- und Maisonette-Einheiten mit privaten Außenräumen und Blickachsen ins Grüne. Beide Häuser bestehen aus gereihten Baukörpern, sind in Mischbauweise realisiert und artikulieren sich mit fein strukturierten, farbigen Holzfassaden im Sinne der zeitgenössischen Interpretation einer regionalen Bautradition im Ortsbild von Hohenems: Als charakteristische stadträumliche Schichtung stehen in der ersten Reihe steinerne Häuser, in der zweiten hingegen Bauten aus Holz. Die Typologie orientiert sich am Prinzip gestapelter Reihenhäuser. Individuelle Eingänge erschließen einen Baukörper mit je fünf Wohneinheiten, eine im Erdgeschoß und vier verwobene Maisonetten in den zwei Obergeschoßen.
Mit lediglich neun Quadratmetern allgemeiner Erschließungsfläche pro Baukörper entsteht funktionaler und ökonomischer Spielraum, der das vertikale Wohnen leistbar macht.
Das neue Rathaus von Berktold Weber Architekten markiert den Auftakt des Rathausquartiers und bildet einen identitätsstiftenden Ort städtischer Präsenz. Bisher verteilte Verwaltungsabteilungen sind in einem offen strukturierten Holzbau zusammengeführt, der Dialog und Zusammenarbeit fördert. Durch ressourcenschonende Planung und Bauweise unter Anwendung der Cradle-to-Cradle-Prinzipien verbindet das Projekt die Raumidee mit ökologischer Verantwortung, konstruktiver Präzision und wirtschaftlicher Effizienz. Die Fassade aus unbehandelter Fichte artikuliert die Logik des Gebäudes und schafft fließende Übergänge. Eingekerbte Schriftzüge verankern das Gebäude in seinem kulturellen Kontext – als zeitgemäßer Baustein nachhaltiger Stadtentwicklung.

Hermann Kaufmann geboren 1955 in Vorarlberg als Sohn einer Zimmermannsfamilie, absolvierte das Studium an der Technischen Hochschule Innsbruck und an der TU Wien. 1983 gründete er sein eigenes Architekturbüro, das seit 2017 als HK Architekten gemeinsam mit Partnern geführt wird. Schwerpunkt seines Schaffens liegt in der Weiterentwicklung der modernen Holzarchitektur. Das Büro hat derzeit knapp 30 Mitarbeiter:innen und ist international tätig. Seine Lehrtätigkeit begann er in Liechtenstein, Graz und Ljubljana. 2002 bis 2021 war er Professor an der TUM (Technischen Universität München), Professur für Entwerfen und Holzbau.

Helena Weber studierte Architektur an der Technischen Universität Graz und an der University of Oulu sowie Konzertfach Violine an der Kunstuniversität Graz. Nach Tätigkeiten in namhaften Architekturbüros in Berlin, Graz und Málaga gründete sie 2011 ihr eigenes Büro in Dornbirn. 2021 erfolgte gemeinsam mit Architekt Philipp Berktold die Gründung des Architekturbüros Berktold Weber Architekten. Helena Weber war Vizepräsidentin der Zentralvereinigung der Architekt:innen Österreichs, Landesverband Vorarlberg, und Vorstandsmitglied im Vorarlberger Architektur Institut. Sie ist Mitglied verschiedener Gestaltungsbeiräte und als Preisrichterin und Vortragende im In- und Ausland tätig.