Samstag, 14. März | 17.45

MS Mittelweiherburg Hard | MS SMS Satteins | KC Ludesch


Schule entwickeln

Auf Grundlage der Reformbewegungen am Anfang des 20. Jh und der österreichischen Schulreform von 1962 wurde in Österreich in den 60er- und 70er-Jahren eine Vielzahl neuer Schulen errichtet. Viele dieser Schulen waren mit ihrer Architektur den pädagogischen Inhalten ihrer Zeit voraus. Anfang der 2000er-Jahre waren die meisten dieser Schulen sanierungsbedürftig, zusammen mit neuen pädagogischen Ansätzen und der Einführung der Neuen Mittelschule (2012) kam neuer Schwung in die Schuldiskussion. Mit einigen der neuen Sanierungsprojekte kamen Pädagogik und Architektur erstmals auf Augenhöhe.

Sowohl die MS Mittelweiherburg als auch die NMS Satteins sind Zeugnisse dieses Schulbaubooms der Mitte des 20. Jh und drücken in unterschiedlicher Weise die damaligen Erneuerungsansätze aus. Es ist erstaunlich, wie gut sich die damaligen architektonischen Ansätze in die neuen (altbekannten) pädagogischen Anforderungen überführen lassen. Die Bearbeitung verfolgt einen mehrgliedrigen Ansatz: Respekt vor den architektonischen Ansätzen der Bestandsbauten, Vorrang der funktionalen und pädagogischen Inhalte, weitestmögliche Einbindung der Nutzer:innen, wertfreies Gegenüberstellen alter und neuer Gestaltungsvorstellungen. Konkret handelt es sich bei allen aktuellen Schulprojekten um Clustertypen, deren Narrativ sich vom Bild der historischen Dorfschule ableiten lässt. Die Frage gilt der richtigen Größe der Unterrichtseinheiten, neu sind die angestrebte räumliche Vielfalt und der Wunsch nach einer wohnlichen Lernumgebung. Grundsätzlich ist auch die Erkenntnis, dass keine Schule der anderen gleicht, ausgehend von Situation, Pädagogik und historischer Entwicklung brauchen alle Schulen individuelle Antworten. Allgemein gesehen gibt es auch keine allgemeingültige Antwort, wie Schule sein sollte – verschiedene Modelle nebeneinander können das Feld des richtigen Unterrichts am besten ausloten.

Gerhard Gruber, nach dem Architekturstudium an der TU Graz arbeitete Gerhard Gruber bei Team A, bei Gruppe 3 und im Büro Roland Gnaiger. 1995 gründete er sein eigenes Büro in Bregenz, später folgten Arbeitsgemeinschaften mit Roland Gnaiger und Reinhold Locher. Seit 2014 leiten er und Reinhold Locher ein gemeinsames Büro in Bregenz. Gerhard Gruber ist Mitglied mehrerer Gestaltungsbeiräte in Vorarlberg und war an zahlreichen Architekturprojekten beteiligt.

Reinhold Locher, nach einer Tischlerlehre studierte Reinhold Locher Architektur an der Universität Stuttgart. 1994 war er Stipendiat an der ETSA Madrid. Er war in verschiedenen Architekturbüros tätig, arbeitete freiberuflich und bildete 2008 bis 2013 eine Arbeitsgemeinschaft mit Gerhard Gruber. Seit 2014 führt er gemeinsam mit ihm das Büro, das für anspruchsvolle Architekturprojekte steht und gestalterische Präzision als auch handwerkliche Qualität in allen Planungs- und Bauphasen vereint.