Klimafreundliches Wohnen ohne Alterslimit (WOAL)


WOALplus steht für zwei zentrale Paradigmenwechsel, die über das einzelne Bauvorhaben hinausreichen: ein neues Modell des Wohnens in einer Gesellschaft des langen Lebens sowie eine architektonisch-konstruktive Antwort auf Klimawandel, Klimaanpassung und Kreislauffähigkeit. Bereits im Bauträgerwettbewerb diente – erstmals in Wien – eine vergleichende Ökobilanzierung als faktenbasierte Entscheidungsgrundlage für klimaschonendes Bauen.

In Wien wächst die Gruppe der über 60-Jährigen am stärksten, dicht gefolgt von den Menschen über 80. WOAL reagiert auf diese Entwicklung mit einem selbstverwalteten, solidarisch organisierten Wohnmodell für den dritten und vierten Lebensabschnitt. Eine Gruppe sehr engagierter Menschen entwickelte das Konzept aus dem Wunsch heraus, im Alter selbstbestimmt zu leben – jenseits klassischer Pflegeheime und ohne die Angehörigen zu überfordern.

Das erste WOAL-Haus entsteht derzeit an der U1-Endstation in Wien-Oberlaa. DILL und nonconform planen gemeinsam mit der Genossenschaft Gartenheim in Oberlaa ein Ensemble aus zwei Gebäuden: ein WOAL-Haus für gemeinschaftliches Wohnen im Alter (DILL) und ein Familienhaus für junge Menschen (nonconform) – zwei Häuser, sieben Generationen, eine Gemeinschaft.

Das Haus in der Kurbadstraße beruht auf einem über viele Jahre gemeinsam erarbeiteten Konzept, das Altern als gestaltbaren Prozess versteht. Die intensive Partizipation der zukünftigen Bewohner:innen ermöglicht eine räumliche Organisation, die sich konsequent aus der inneren Struktur der Gemeinschaft ableitet. Das vertikale Gemeinschaftsrückgrat und die daran angedockten Cluster formen ein räumliches Gefüge, das soziale Nähe stärkt, ohne auf Rückzugsmöglichkeiten zu verzichten.

Beide Häuser entstehen in Hybridbauweise und folgen einer klimafreundlichen Logik. Die Planung trifft Materialentscheidungen auf Basis einer vergleichenden Ökobilanzierung. Rückbaubare Holzaußenwände in Stecksystemen, Lehmoberflächen und Recyclingdämmstoffe bilden die Bausteine eines nachhaltigen und kreislauffähigen Konzepts. Das erstmals gewidmete Klimaregal reagiert als vorgelagerte Struktur auf das sich verschärfende städtische Hitzeproblem und bietet Beschattung, Begrünung und private Freiräume.

WOALplus zeigt, wie sich gemeinschaftsorientiertes Wohnen und klimawirksame Architektur als integrierte Aufgabe verstehen lassen – und formuliert damit ein zukunftsweisendes Modell für ein gutes, langes Leben.

Katharina Kothmiller studierte Architektur in Wien und ist geschäftsführende Gesellschafterin bei nonconform. Gemeinsam mit einem interdisziplinären Team plant sie co-kreativ mit einem klaren Fokus auf nachhaltiges Bauen mit regenerativen Baustoffen in Zeiten der Klimakrise.

Clemens Dill studierte Architektur und Städtebau in Potsdam und San Sebastian. Er ist geschäftsführender Gesellschafter des Büros DILL in Wien mit Fokus auf cokreative Prozesse, sinnvolle Konzepte und nachhaltige Lösungen.

Rudolf Burner ist Obmann der Genossenschaft Gartenheim und Immobilientreuhänder. Seit Jahrzenten im gemeinnützigen Wohnbau tätig.

Ursula Wagner ist WOAL-Mitgründerin. Nach (Berufs)Jahren in Qualitäts-, Wissens-, Risikomanagement, Organisationsentwicklung und Selbstverwaltung ermöglicht ihr das Pensions-Grundeinkommen den vollen Einsatz für die Umsetzung der sozialpolitischen Innovation WOAL!