Zum städtebaulichen Diskurs in den Gestaltungsbeiräten


Vom Anspruch architektonischer Mindestqualität kommend werden die Gestaltungsbeiräte zunehmend zu Plattformen für städtebauliche Fragen. Oft sind sie die einzigen Foren, die die Dynamik der Veränderungen erfassen und darstellen. Und daraus für aufgabengerechte Verfahren plädieren. Das öffentliche Interesse mit Nachdruck vertreten. Und – in der Nachsorge – die Qualität der Ergebnisse sichern.
Innsbruck, Salzburg und Graz – der Blick auf das jeweils Stadtganze erkennt prozesshafte Veränderungen. Unter dem Druck der Verdichtung werden ganze Stadtteile abgebrochen oder zumindest überformt. Tauschen diese Städte ihre Bausubstanz? Diese Entwicklung macht vor vertraut gewordenen Orten nicht halt. Und doch geschieht die Neufassung oft in zögerlicher Kleinlichkeit, so als könnte dieser Austausch heimlich stattfinden. Man nimmt diesen Prozess erst wahr, sobald man den Blick von einem einzelnen Projekt auf die großen Zusammenhänge legt. Da sind Gleichzeitigkeiten erkennbar. Bezüge von Projekten, die einander bedingen. Andere Bauvorhaben wiederum werfen Perspektiven auf zukünftige Strukturen.
Nie ist die Stadt in einem starren Bild, eben als „Stadtbild”, zu erfassen – bedeutet das Bild doch den angehaltenen Blick auf etwas Bewegtes. Umso mehr sind es Räume im weitesten Sinn und nicht an Bildern gemessene Erkennungsmerkmale, die der Arbeit in den Gestaltungsbeiräten ein Anliegen sind: Aufgaben aus der Distanz zu betrachten, oft neu zu formulieren. Kollisionen als Chancen zu verstehen, neue Sichtweisen und bauliche Typologien für neue gesellschaftliche und wirtschaftliche Rahmenbedingungen zuzulassen. Der Vorausschau Möglichkeiten ihrer Darstellung zu geben. Und die Grenzen der Regelwerke aufzuzeigen, die nicht aus einem Anlassfall, vielmehr der Entwicklung folgend, ständig fortzuschreiben sind.
E.B.

Daniel Fügenschuh, geb. 1970 in Innsbruck. Studium an der technischen Fakultät der Uni Innsbruck. Gastprofessuren in London, Podgorica und Innsbruck. Derzeit im Gestaltungsbeirat in Wels und Vorsitzender der Bundeskammer der Architekten.

Ernst Beneder, geb. 1958 in Waidhofen/Ybbs. Studium an der TU Wien und am Tokyo Institute of Technology. Gastprofessuren in Japan, den USA, Chile, Versailles, Stuttgart und Wien. Derzeit in den Gestaltungsbeiräten in Innsbruck, Salzburg und Graz. Otto Wagner Städtebaupreis 2001.