Samstag, 24. Februar | 18:00

Abwasserreinigungs-Anlage Altenrhein


Wie geht man gestalterisch mit einer technischen Anlage um, die ursprünglich ohne besonderen gestalterischen Anspruch entwickelt wurde – aber dennoch einige ästhetische Qualitäten aufweist und nicht zuletzt inmitten einer geschützten Grünzone und direkt am Alten Rhein liegt?
Unsere Strategie setzt nicht auf Kontraste oder Konfrontation von Alt und Neu – vielmehr versuchten wir, die Qualitäten des Bestandes zu suchen, zu stärken und in neuer Form weiterzuentwickeln. Qualitäten des Bestandes sind etwa Ansätze einer Einheitlichkeit, eine fast städtische Qualität der Räume und eine solide Ausführung der Bauten.
Diese Strategie zielt darauf ab, dass nicht einfach ein schöner Neubau neben einem wenig ansprechenden Altbau zu liegen kommt, sondern dass Alt und Neu miteinander kommunizieren, sich im besten Fall sogar gegenseitig bereichern. Gut erkennbar ist das Resultat etwa am Beispiel des Neubaus EMV und des direkt gegenüberliegenden Gebäudes der Faulung: Beide Bauten haben sich etwas aufeinander zubewegt. Die bestehende Faulung hat unter ihrem Dachabschluss aus Sichtbeton einen dunklen Anstrich bekommen, der mit der vorvergrauten Holzfassade des Neubaus korrespondiert. Der Neubau wiederum hat über seiner Holzfassade einen Betonabschluss, der in der Höhe demjenigen des Nachbars entspricht, aber feiner ausgeführt und mit einem Vordach profiliert wurde. So werden diese beiden Bauten zu ungleichen Geschwistern, die aber zusammen einen Platz aufspannen, der eine räumliche Qualität und eine einheitliche Fassung aufweist.
Mit dieser Strategie soll auch in Zukunft auf der Anlage gearbeitet werden. Es ist dabei aber immer klar, dass die neuen Bauten den Anforderungen der Zeit genügen müssen: Sie werden, wo immer möglich, in Holz und den technischen und konstruktiven Anforderungen des Holzbaus entsprechend konstruiert.
Mit dieser Strategie der Angleichung innerhalb des Neuen ist sichergestellt, dass die Anlage auch bei zukünftigen Erweiterungen immer mehr an gestalterischer Qualität gewinnt – und zwar als Ganzes, nicht als Ansammlung von Einzelobjekten.
L.I.

Lukas Imhof, geb. 1974 in Baden, Schweiz. Studium an der ETH Zürich. Mitarbeit im Architekturbüro von Miroslav Sik und an seinem Lehrstuhl. Von 2003 bis 2013 Forschungstätigkeit an der ETH Zürich und selbständige Tätigkeit als Architekt. Seit 2014 Dozent an der HSLU in Luzern und Büro „Lukas Imhof Architektur GmbH”.