Freitag, 23. Februar | 10:20

Laues Lüftchen, perfekter Sturm


Veränderung, Wandel. Keine Architekturkonferenz der letzten Jahre beschwört nicht die Verantwortung der Bauindustrie für die Energiewende und ihren Ressourcenverbrauch und fordert dann Transformation, neues Bauen, kein „weiter so”, das Aufbrechen von verkrusteten Strukturen, das Sprengen der Fesseln der Regulation. Einfaches Bauen, Dauerhaftigkeit und in der Folge Abriss- und Neubauverbote, Enquete-Kommissionen, Strategiedialoge – weitgehend folgenlos. So sehr vor diesem Hintergrund die verzweifelten Reaktionen von Fridays und Architects for Future nachvollziehbar sind, so wenig geschieht in der Breite. Die wenigen gebauten Beispiele werden durch Preisgremien und Vorträge gereicht – Zirkularität haben wir uns eigentlich anders vorgestellt.
Das Ende einer langen Nullzinsphase, Material- und Personalknappheit und in der Folge steigende Baukosten brechen nun mit Gewalt in den Garten Eden einer wohlstandsverwahrlosten Gesellschaft. Dass diese nur einen kleinen Teil der Weltgemeinschaft ausmacht, ist bittere Randnotiz.
Die internationale Bauausstellung 2027 StadtRegion Stuttgart beobachtet diese Prozesse aus dem Auge des Sturms. Eine der reichsten Regionen Europas, erfolgreich geworden mit Ingenieurskunst und individueller Mobilität, muss sich neu erfinden. Die IBA’27 erlebt stundenlange Gemeinderatssitzungen, in denen beharrende Kräfte über Stellplatzschlüssel diskutieren, und Wohninitiativen, die Lebensstile in einer Gemeinschaft des Kümmerns, der Pflege und des Verzichts suchen.
Die IBA’27 arbeitet beharrlich an einem Bild der Region, das produktiv und bewahrend, verantwortungsbewusst und sorgfältig Zukunft in einer Neusortierung des Erbes von 150 Jahren Moderne sucht.
A.H.

Andreas Hofer, geb. 1962 in Luzern, Schweiz. Studium der Architektur an der ETH Zürich. Mitinitiant von genossenschaftlichen Quartiersprojekten auf Brachen der Deindustrialisierung in der Schweiz und seit 2018 Intendant und Geschäftsführer der IBA’27 in Stuttgart.